Die Geschichte der Rühlmannorgel in der Erfurter Lutherkirche

Orgelnische und Prospekt
Orgelnische und Prospekt
Der Kantor am Orgeltisch
Der Kantor am Orgeltisch

Die Erfurter Lutherkirche beherbergt seit 1928 eine Orgel des Wilhelm Rühlmann junior aus Zörbig. 46 klingende Stimmen stehen auf Taschenladen für drei Manuale und Pedal. Wilhelm Rühlmann jun. war Orgelbauer in dritter Generation nach dem Großvater Friedrich und dem gleichnamigen Vater Wilhelm. Das Schaffen der Orgelbauerfamilie konzentrierte sich auf das Gebiet der ehemaligen Provinz Sachsen. Auch in Erfurt war die Firma mehrmals tätig. In der Hospitalkirche, der Kaufmannskirche, der Michaeliskirche und der Reglerkirche stellte sie Werke auf. Von den insgesamt neun Neubauten in Erfurt ist nur ein Instrument erhalten geblieben: die Orgel der Lutherkirche.

Die Orgel der Lutherkirche ist ein Denkmal einer ausklingenden Orgelästhetik, die Charakterstärke des Einzelnen und Einheit des Ganzen idealisierte. Rühlmanns Konzeption wurzelte noch in den unmittelbar tradierten Klangvorstellungen des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts, fiel zeitlich aber auch schon mit der sogenannten Orgelbewegung zusammen, die vermeintlich barocke Muster propagierte. Das Klangprofil der Orgel bezeugt eine kompromissfähige, aber unbestechliche Künstlerpersönlichkeit ihres Schöpfers. Ein Wandel der Ästhetik bringt im Orgelbau immer wieder das Paradox mutmaßlicher Verbesserung des Kunstwerkes mit sich. Auch in der Lutherkirche war man manchen Empfehlungen allzu gutgläubig gefolgt. Nur mangelnde Finanzkraft bewahrte das Gefüge vor größerem Schaden.
Schriftzug: ...nur ein einziges erhalten...

Zwischenzeitlich konnte das Instrument musikalischen Ansprüchen nicht mehr genügen. Viele Jahre schon bemüht sich die Gemeinde, seit 2004 mit Unterstützung unseres Vereins, um die Reparatur und eine besonnene Rückführung. Über vier Bauabschnitte hinweg ist der Klangkörper bis zum Herbst 2007 wieder hergestellt worden. Die Arbeiten wurden Orgelbaumeister Jörg Dutschke aus Dambeck anvertraut. Inzwischen erklingt das Werk vollständig und steht für Konzertreihen und den normalen Gottesdienstbetrieb uneingeschränkt zur Verfügung, wofür wir sehr dankbar sind.